Die «Innovation» des Projektvorschlags findet nicht nach Aussen hin statt, sondern im Innern des Blocks. Dessen Hof bildet nicht die übliche, informelle und private Gegenwelt zur formellen und anonymen Strassenwelt, sondern ist selber Stadtraum: ein Ort, an dem Nachbarschaft und Quartier einander begegnen, ohne einander diesen Raum streitig zu machen. Vielleicht ist dieser Ort am ehesten vergleichbar mit den Höfen des «Roten Wien»: in denen die Häuser von den Höfen aus erschlossen sind, wobei die Höfe ihrerseits schön geschnittene und repräsentativ gestaltete Orte der Begegnung sind – also nicht informelle «Backyards» für den nachbarschaftlichen Rückzug von der Stadt.
Nach Aussen hin wird hier hingegen ganz konkrete städtische Konsolidierung gesucht: An der Feldbergstrasse werden zwei Eckrisalite gesetzt, zwischen denen ein städtischer Vorplatz aufgespannt wird. Am Riehenring wird die «Rue Corridor» wiederhergestellt und der unfreiwillig solitäre Eingangsbau zur Messehalle 1E in die Gebäudeflucht eingebunden. Schliesslich wird an der Sperrstrasse ein baumbestandener Vorhof aufgespannt, der Abstand zur unbelebten Hallenfassade gegenüber gewährt und einen Ort des Aufenthalts im monotonen Bewegungsraum der Sperrstrasse eröffnet.
Die Grossform dieses Block-Innern wird von vier Mittelrisaliten bestimmt, die ihrerseits ein ovales Dach umstellen. Dieser Ring ist eine eigentliche Referenz an die Rundhofhalle von Hans Hofmann, in der ebenfalls ein Ring vier Eckhöfe abtrennt und vier Mittelrisalite verbindet – und wie bei Hofmanns Bau betont die festliche und verbindende Geste des Rings die öffentliche Widmung des Hofinnern. Gleichzeitig grenzt das Oval die vier Eckhöfe von der Mitte ab, so dass in diesen vier Kompartimenten unterschiedliche Gemeinschaften adressiert werden können.
Die Wohnstadt von morgen setzt auf Dichte und Mischung: Dichte bedeutet Verzicht auf individuellen Raum, kompensiert mit einem Angebot an kollektivem Raum. Mischung bedeutet, die Grenzen zwischen Wohn- und Arbeitsstadt zu verwischen sowie gesellschaftlicher Segregation entgegenzuwirken. Die exponierten Seiten des Baublocks an Riehenring und Feldbergstrasse sind gesäumt von Läden, Cafés, Ateliers und weiten Dielen vor den Treppenhäusern. Lichte Durchgänge führen von der Strasse in den Hof, der – analog den Wiener Gemeindebauten – als inklusiver Ort für die Stadt konzipiert ist, nicht als exklusiv nachbarschaftliche Welt. Je näher ein Raum zur Hofmitte liegt, desto kollektiver seine Widmung. In den Spitzen der vier Risaliten liegen Kindergarten, Tagesstruktur und zwei Gemeinschaftsräume, also diejenigen Nutzungen, die für die Belebung des Freiraums am wirkungsvollsten sind.
Auf dem Grundstück ist eine hohe Ausnutzung möglich – bloss kann sie nicht in Form grosser Bautiefen realisiert werden, denn diese wird beschränkt von den geringen Wohnflächen und vom vielen Strassenlärm. Das ist kein Schaden – denn weniger Tiefe bedeutet mehr natürliches Licht in der Wohnung – eine wichtige Wohnqualität im dichten urbanen Raum und ein immer wichtigeres Nachhaltigkeitskriterium. Wohin nun also mit der vielen zulässigen Baumasse, die ja ausgeschöpft werden soll? Die Masse wird gleichsam «ausgestülpt» in Form der vier Risaliten im Hofraum, in denen trotz dichter Umgebung exponierter Wohnraum Platz findet.
Lebensmodelle sind veränderlicher als Wohnungsgrundrisse. Wohl sind die Wohnungen primär auf die Bedürfnisse von Familien ausgelegt, aber sie sind so konzipiert, dass auch Wohngemeinschaften hier gut leben können, und die bewusste Durchmischung grosser und kleiner Wohneinheiten stellt sicher, dass Bewohnende in ihrem nachbarschaftlichen Gefüge verbleiben können, auch wenn der Wechsel ihrer Lebenssituation eine Veränderung ihrer Raumbedürfnisse zur Folge hat.








