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Projekte

Areal Gleis 11

Solothurn, 2025

Visualisierung: Filippo Bolognese Images

Wir sind überzeugt, dass der Schlüssel für die Zukunft des Areals in seiner Vergangenheit liegt, und wenn diese Kontinuität erkannt wird, muss man sich um eine prägnante künftige Identität für diesen Ort keine Sorgen machen. Noch vor vierzig Jahren leistete eine Schar von Schuppen und Häusern den Druckereigebäuden Gesellschaft. Sie waren ausgerichtet von den Stumpengleisen, die an den Häusern vorbei oder in sie hineinführten, und so standen sie dicht an dicht in der charakteristischen Fächerung, wie sie nur an Gleisharfen vorkommt. Die Ausrichtung der Bauten auf die aufgefächerten Gleise ist im Bestand noch erkennbar. Nur ist dieser Bestand heute mit allerlei Bindegewebe zu einem Konglomerat zusammengebacken. 

Wir machen die Fächerung zum Leitmotiv. Dazu entfernen wir in einem ersten Schritt die verbindenden Bauteile im Bestand und haben es nun mit drei scharf konturierten Baukörpern von je eigenem Charakter zu tun, denen wir weitere zur Seite stellen - in einem zweiten Schritt. Diese neuen Gebäude, elegant in ihrem schmalen, hohen Profil, stehen aufgefächert wie einst die alten Häuser, aber an neuer Stelle und in neuer Grösse. Wir stellen uns weitere Gleise vor, das Gleis 12 und das Gleis 13, deren imaginärer Verlauf die neuen Häuser ausrichtet…

Die Analogie der neuen Bebauung zur ehemaligen wärmt aber nicht einfach eine nostalgische Erzählung auf, sondern liefert im Gegenteil ein starkes Bild für die Zukunft des Ortes. Die dichte Bautengruppe formt eine aufregende Silhouette, die sich beim Blick aus dem Zug und Auto unmittelbar einprägt. Die Bauten folgen der Fliessrichtung der Verkehrsströme. Sie tun dies aber nicht in Form einer langen Zeile, sondern mittels kurzer, kompakter Baukörper. Denn diese lassen tiefe Lücken offen, welche die Blicke in die Weite der Landschaft und das Licht in die Dichte des Stadtraums dringen lassen.

Luftaufnahme

Luftaufnahme Comet Photo AG, 26.04.1969: Häuser an den Stumpengleisen (1), Strassenbebauung (2), Binnenraum (3), Platznische (4), Pforte (5), Bahnübergang (6), Bahnnatur (7), Baumallee (8)

Situation
Schnitt
Schnitt
Schnitt
Erdgeschoss

Beim Umbau von Industriearealen stellt sich immer die gleiche Hauptfrage: Wie kann eine «verbotene Stadt» Teil des städtischen Gefüges werden? Auch die Antworten gleichen sich: Mittels Aufwertung der Arealränder in Form aktivierender Nutzungen, mittels einladender Zugänge ins Areal-Innere, mittels intuitiv geführter Wege quer durchs Areal, aber auch mittels Einrichtung «stiller Zonen», die Rückzugsorte darstellen und Mitwirkungsflächen eröffnen.

Die Dimensionen sind nicht nur für Solothurn aufregend: 400 bis 500 Menschen werden in naher Zukunft hier leben! Auf Stadtboden sind deshalb alle Häuser öffentlich: entlang der Zuchwilerstrasse profitieren die gewerblichen Nutzungen von der «visibility» im Strassenraum, im bahnseitigen Bereich liegt die KiTa geschützt, und die Büros von CH-Media und Co-Working erhalten hier eine Adresse, die allen Zugreisenden mittels Leuchtreklame prominent vermittelt werden kann. Gleiches gilt für das Radiostudio in der alten Druckerei, dessen Studios auf «Vestibül»-Niveau aus Zuhörern Zuschauer macht!

Zwei Plätze regeln die Beziehungen zwischen den Lokalitäten: Der sonnige, exponierte «Eichenhof» an der Zuchwilerstrasse wird zum Aussensitzplatz des Cafés und Möglichkeitsraum für Laden und Co-Working-Nutzer*innen, während der «Innenhof» eher areal-intern gewidmet ist. «Mittendrin», also dort, wo die beiden Höfe einander berühren, liegt der Quartiertreffpunkt richtig: im Schnittpunkt der Wege und Brennpunkt der Blickachsen.

Referenz

Karl Hofer, Tischgesellschaft, 1924

Referenz

Alison und Peter Smithson, The Economist Building, London, 1964

Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Wohngeschoss

Die Verschiedenheit der Bestandsbauten wird zum Anlass, die Diversität des Wohnangebots aufzufächern. In der neuen Druckerei entstehen coole Lofts für «Digital Nomads» und in der alten Druckerei dagegen klassische Wohnungen hinter Bruchsteinmauern: «Trainspotting» für Senior*innen! In den vierspännigen Neubauten sind grössere und kleinere Wohnungen bewusst gemischt, so dass junge Paare, Familien, WGs, Senior*innen in dichter Nachbarschaft miteinander wohnen. 

Dank der mechanischen Typenhäuser und ihrer vielfältig einstellbaren Grundrissdispositionen reagieren sie ideal auf die Bestandshäuser. Damit lässt sich nicht nur der gewünschte Wohnungsmix über das gesamte Areal, sondern auch die Durchmischung innerhalb der Häuser erzielen.

Loftwohnung im Umbau
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Typenhäuser
Visualisierung: Filippo Bolognese Images

Pro­jekt­da­ten

Adresse

Zuchwilerstrasse, 4500 Solothurn

Programm

124 Wohnungen, Büro, Gewerbe

Bauherrschaft

AZ Medienhaus

Bauherrenvertretung

Naef & Partner Immobilien

Auftragsart

Studienauftrag 2025

Nachhaltigkeits-Zertifizierung

SNBS Gold

Projektleitung

Elias von Dombrowski

Projektteam

Max Ertle, Luis Friedemann, Michael Nelson, Micha Weber

Fachplanung und Beratung

Landschaftsarchitektur

ORT AG

Tragwerk

DSP

Bildnachweis

Visualisierungen: Filippo Bolognese Images 
Referenz, Alison & Peter Smithson: DP Review Gallery, https://www.dpreview.com/galle... (zuletzt aufgerufen am 10.10.2024)

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