Wieviel von der vergangenen Qualität dieser Siedlung lässt sich in die Zukunft der Stadt übertragen – einer Stadt unter dem Druck von Lärm, Dichte und Hitze? Steiners Ville Verte bleibt in Bezug auf den Hitzestress noch heute zukunftsweisend – in Bezug auf Dichte- und Lärmstress aber benötigt sie eine tiefgreifende Erneuerung. Wo diese schon vollzogen ist, ist von der alten Weitläufigkeit häufig wenig übriggeblieben. Damit dies im «Inneren Dreispitz» nicht geschieht, suchen wir für den mittleren Bereich – sozusagen den «Innersten Dreispitz» – möglichst viel landschaftliche Weite und Tiefe und verlagern gegenüber dem Masterplan etwas bauliche Dichte von der Mitte an die Ränder. Darum werden die (im Masterplan) zweigeschossigen Ränder gleich hoch wie die viergeschossigen Zeilen in Feldmitte, und beide verschmelzen zu Hufeisen.
Der stufenweise Übergang vom Stadt-, zum Quartier-, zum Siedlungs-, zum Hof-, bis zum Wohn-Raum führt jeweils zu neuen Situationen, die definiert sein wollen. Nach dem Prinzip der fraktalen Wiederholung, also der Wiederkehr von strukturellen Mustern auf verschiedenen Massstäben, erhält der «Innere Dreispitz» ein formelles Aussen und ein informelles Innen. Die in Hufeisenform angelegten Baufelder wiederholen diese Struktur mit aussen liegenden Strassen- und Gassenseiten sowie innen liegenden Höfen. Die zeitliche Kontinuität, die ein alter Baumbestand ausstrahlt, trägt dabei zur Vergewisserung des «Hier-bin-ich-Zuhause» entscheidend bei. Darum ist der Städtebau um diese Bäume herum konzipiert, von denen die meisten erhalten werden können. Diese Bestandsbäume sind es auch, die den Aussenräumen ihren ortsspezifischen Charakter verleihen, durch ihre Grösse schaffen sie landschaftliche Ankerpunkte in der Umgebung und durchziehen die grosszügige Freiraum-Achse im Siedlungsinneren.
Der Gesamtplan ist klar und robust: Zwei repräsentative, städtische Freiräume säumen die beiden Längsseiten des «Inneren Dreispitz». Hier der Saatlenpark als organische Verlängerung des Schörli-Grünzugs. Dort die Dreispitzstrasse, eine grosszügige Allee und als solche nicht bloss Erschliessungsraum, sondern auch Aufenthaltsort. Beide – Park und Strasse – vermitteln den Bewohnenden der Stadt klar ihre öffentliche Widmung. Baumreihen und klar gefasste Kompartimente im Park unterstreichen den formellen, öffentlichen Anspruch.
Diese Hufeisen folgen aber nicht einfach den Arealrändern, sondern lösen sich von ihnen jeweils dort, wo die Quergassen anknüpfen. So werden die Wege hier zu kleinen Plätzen geweitet, die wir «Trittsteine» nennen, weil sie Orte des Übergangs bilden zwischen genossenschaftlichem und städtischem Raum. Die «Trittsteine» reagieren dabei formal unterschiedlich auf die Nachbarschaft: Mit einer Erweiterung zum Platzraum als adressbildende Geste an der Dreispitzstrasse, mit einer Aufspreizung des Wegenetzes und einem intern orientierten Eingangsplatz zum Saatlenpark.
Der «Quartierplatz» im Zentrum des Dreiecks ist ein weich geformter, fliessender Begegnungsraum: nirgends ist der «Innere Dreispitz» der Steiner’schen «Ville Verte» verwandter. Es bestehen keine territorialen Abgrenzungen, denn hier ist man «unter sich»! Der ASIG-Pavillon findet in der Platzmitte seine zukünftige Aufgabe als Zentrum des Siedlungslebens.








