deen
Projekte

Areal Dreispitz, Etappe «Innerer Dreispitz»

Zürich-Schwamendingen, seit 2025

Wieviel von der vergangenen Qualität dieser Siedlung lässt sich in die Zukunft der Stadt übertragen – einer Stadt unter dem Druck von Lärm, Dichte und Hitze? Steiners Ville Verte bleibt in Bezug auf den Hitzestress noch heute zukunftsweisend – in Bezug auf Dichte- und Lärmstress aber benötigt sie eine tiefgreifende Erneuerung. Wo diese schon vollzogen ist, ist von der alten Weitläufigkeit häufig wenig übriggeblieben. Damit dies im «Inneren Dreispitz» nicht geschieht, suchen wir für den mittleren Bereich – sozusagen den «Innersten Dreispitz» – möglichst viel landschaftliche Weite und Tiefe und verlagern gegenüber dem Masterplan etwas bauliche Dichte von der Mitte an die Ränder. Darum werden die (im Masterplan) zweigeschossigen Ränder gleich hoch wie die viergeschossigen Zeilen in Feldmitte, und beide verschmelzen zu Hufeisen.

Der stufenweise Übergang vom Stadt-, zum Quartier-, zum Siedlungs-, zum Hof-, bis zum Wohn-Raum führt jeweils zu neuen Situationen, die definiert sein wollen. Nach dem Prinzip der fraktalen Wiederholung, also der Wiederkehr von strukturellen Mustern auf verschiedenen Massstäben, erhält der «Innere Dreispitz» ein formelles Aussen und ein informelles Innen. Die in Hufeisenform angelegten Baufelder wiederholen diese Struktur mit aussen liegenden Strassen- und Gassenseiten sowie innen liegenden Höfen. Die zeitliche Kontinuität, die ein alter Baumbestand ausstrahlt, trägt dabei zur Vergewisserung des «Hier-bin-ich-Zuhause» entscheidend bei. Darum ist der Städtebau um diese Bäume herum konzipiert, von denen die meisten erhalten werden können. Diese Bestandsbäume sind es auch, die den Aussenräumen ihren ortsspezifischen Charakter verleihen, durch ihre Grösse schaffen sie landschaftliche Ankerpunkte in der Umgebung und durchziehen die grosszügige Freiraum-Achse im Siedlungsinneren.

Der Gesamtplan ist klar und robust: Zwei repräsentative, städtische Freiräume säumen die beiden Längsseiten des «Inneren Dreispitz». Hier der Saatlenpark als organische Verlängerung des Schörli-Grünzugs. Dort die Dreispitzstrasse, eine grosszügige Allee und als solche nicht bloss Erschliessungsraum, sondern auch Aufenthaltsort. Beide – Park und Strasse – vermitteln den Bewohnenden der Stadt klar ihre öffentliche Widmung. Baumreihen und klar gefasste Kompartimente im Park unterstreichen den formellen, öffentlichen Anspruch.

Diese Hufeisen folgen aber nicht einfach den Arealrändern, sondern lösen sich von ihnen jeweils dort, wo die Quergassen anknüpfen. So werden die Wege hier zu kleinen Plätzen geweitet, die wir «Trittsteine» nennen, weil sie Orte des Übergangs bilden zwischen genossenschaftlichem und städtischem Raum. Die «Trittsteine» reagieren dabei formal unterschiedlich auf die Nachbarschaft: Mit einer Erweiterung zum Platzraum als adressbildende Geste an der Dreispitzstrasse, mit einer Aufspreizung des Wegenetzes und einem intern orientierten Eingangsplatz zum Saatlenpark.

Der «Quartierplatz» im Zentrum des Dreiecks ist ein weich geformter, fliessender Begegnungsraum: nirgends ist der «Innere Dreispitz» der Steiner’schen «Ville Verte» verwandter. Es bestehen keine territorialen Abgrenzungen, denn hier ist man «unter sich»! Der ASIG-Pavillon findet in der Platzmitte seine zukünftige Aufgabe als Zentrum des Siedlungslebens. 

Schema Städtebau der Bäume
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Erdgeschoss
Regelgeschoss

Wir gewöhnen uns allmählich daran, dass acht Stockwerke in Zürichs urbanen Verdichtungsgebieten das neue «Normal» sind – und vergessen dabei, welche sozialräumliche Qualität der niedrige Horizont der Steiner’schen «Ville Verte» hat. Umso glücklicher sind wir über die Strategie des «Low Rise, High Density», wie sie für den «Inneren Dreispitz» vorgesehen ist: Viel Dichte bedeutet eben nicht zwangsläufig viel Gebäudehöhe! Umgekehrt aber ist wenig Gebäudehöhe geradezu die Voraussetzung für den privaten Gebrauch des Freiraums vor den Häusern.

Bodennahes Wohnen in dichten Stadtlagen setzt Maisonette-Wohnungen voraus, weil diese keine Schlafzimmer zur Strassenseite haben. Im Erdgeschoss wird nicht geschlafen, sondern gewohnt und gegessen, so dass Einblicke aus der Gasse oder dem Garten weniger stören. Die Überlagerung von bodennahen Maisonette-Wohnungen mit Geschosswohnungen ist sozialräumlich sehr leistungsfähig, weil auf diese Weise verschiedene Lebens-Entwürfe und -Alter bedürfnisgerecht und gutnachbarschaftlich existieren können. Auf Laubengänge wird dabei bewusst verzichtet, weil das ganze nachbarschaftliche Leben in den Wohngassen stattfinden soll. Diese werden angeeignet und belebt, anstatt in «Binnengemeinschaften» auf den oberen Stockwerken auszudünnen. Der Preis dafür? Ein paar Treppenhäuser mehr. Und der Gegenwert? «Durchwohnen» für alle! 

Schema Aufbau Grundtyp: oben Geschosswohnungen, unten Maisonetten
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Visualisierung: Filippo Bolognese Images

Pro­jekt­da­ten

Adresse

Saatlenstrasse, Dreispitz, 8050 Zürich

Programm

337 Wohnungen, gemeinschaftliche Bereiche, Kita  

Bauherrschaft

ASIG Wohngenossenschaft  

Auftragsart

1. Preis im Studienauftrag 2025

Energiestandard

Minergie-P-Eco

Projektleitung

Vedran Brasnic  

Projektteam

Rosa Hagedorn, Alan Tsubasa Pülz, Dominik Rinderknecht, Micha Weber  

Fachplanung und Beratung

Landschaftsarchitektur

Ganz Landschaftsarchitekten  

Tragwerk

DSP Ingenieure + Planer

Haustechnik

HTR

Verkehr

Rombo

Bildnachweis

Visualisierungen: Filippo Bolognese Images 

Weitere Projekte

Schema Städtebau der Bäume
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Erdgeschoss
Regelgeschoss
Schema Aufbau Grundtyp: oben Geschosswohnungen, unten Maisonetten
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
Visualisierung: Filippo Bolognese Images
/ 9